Wahlprogramm in zwei Minuten.

Wiesbaden Marktplatz.

Ich gehe normalerweise nicht zu Wahlkampfveranstaltungen, schon gar nicht bei diesem Wetter. Bei Katrin Göring-Eckardt bin ich mir untreu geworden.

Es ist halb zwölf. Nach und nach versammeln sich die Grüne Prominenz, interessierte Marktbesucher, Skeptiker und Gläubige, um die sympathische Spitzenkandidaten der Grünen zu sehen. Es regnet schon den ganzen Morgen und will wohl auch nicht aufhören. Das scheint aber wenige vom Warten abzuhalten. Am Stand ist noch nicht alles klar. Das wesentliche Kabel der Lautsprecheranlage fehlt. Ein paar Telefonate und dann ist alles noch rechtzeitig fertig.

Um halb eins ist sie da, begleitet von zwei jungen Männern. Einer trägt wohl ihre Tasche. Ziemlich lässig. So einen jungen Mann will ich auch. Sie begrüßt die Parteifreunde und wirkt dabei völlig unangestrengt und fast nicht gestresst. Müsste sie eigentlich sein, jetzt gerade im Endspurt wo ein Termin den anderen jagt.

Katrin ist Christin und seit 2009 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, für den Wahlkampf lässt sie die Kirchenämter ruhen. Darauf stoße ich, als ich mich vor der Veranstaltung etwas umfangreicher über sie informieren möchte. Sogleich finde ich sie noch sympathischer und bin beeindruckt, wie diese 47-jährige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags ihre Ämter, Abgeordnetentätigkeit, eine Vielzahl anderer Engagements, auch noch mit der Mutterrolle für zwei Söhne koordiniert. Ich werde sie fragen, irgendwann nach dem Wahlkampf.

Aber genau für den ist sie heute nach Wiesbaden gekommen und ich bin gespannt auf die zwei Minuten. Sie möchte sich für die Bürger einsetzten, denen andere Werte als rein monetäre wichtig sind. Darum hat sie bei mir auf jeden Fall einen Bonus, denn darin haben wir offensichtlich einen gemeinsamen Nenner. Massentierhaltung, auch so ein Reizthema für mich. Konsequente Energiewende, Altersarmut, keine Waffenlieferungen mehr aus unserem Land, Mindestlohn, ja das sind alles Themen die auch mich immer wieder aufbringen.

Es hat dann doch etwas länger als zwei Minuten gedauert, die brennend heißen Themen anzusprechen und die möglichen Lösungen aufzuzeigen. Es gibt ja nun auch wirklich viel zu tun. Der Regen hat währenddessen aufgehört. Sie spricht noch mit einigen der Gäste, die sich um sie geschart haben, beantwortet ihre Fragen, verabschiedet sich von den Wiesbadener Grünen und bricht auf nach Stuttgart.
Eine toughe Frau und anscheinend ohne Allüren.

In diesem Sinne, ich weiß was ich am Sonntag zu tun habe. SIE AUCH?

Für die, die es noch nicht wissen :: www.wahl-o-mat.de

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