Tu was du gerne tust – Frankfurt

IBM KickOff BadenBaden

IBM KickOff BadenBaden

Wenn uns dauerhaft und glaubwürdig vermittelt wird, dass das was wir gerne tun nicht von besonderem Wert, sondern lediglich ein Ergebnis von „Rosinen im Kopf“ ist, sind wir irgendwann fest davon überzeugt, es wird zum Glaubenssatz. Wir beginnen unsere Fähigkeiten selbst zu entwerten und vorzugsweise Dinge zu tun, die uns nicht wirklich Freude bringen, denn wir haben verstanden: Tun, was man gerne tut, ist verwerflich.

Hin und her gerissen war ich zwischen Interessen, Neigungen und Träumen einerseits, andererseits den drängenden Überlegungen einen soliden Weg gehen zu müssen. Aber was ist denn ein solider Weg. Würde ich zuhause fragen, würde ich gar nicht fragen müssen, die Antworten kannte ich ja schon. Also ließ ich mich leiten von allem was mir begegnete, was schillernd war, mir Vergnügen machte und nach meiner Bewertung sinnvoll erschien.

1980. Inzwischen in Frankfurt, fand ich einen Job in einem Unternehmen für Büroeinrichtungen. Dort tippte ich Rechnungen nach Lieferscheinen. Mein Arbeitsergebnis war meist unbefriedigend, da gespickt mit Tippfehlern und wurde von der Büroleiterin regelmäßig durchgestrichen. Wiederholen, mit mehr Konzentration, bitteschön. Meine Frustration wuchs täglich und ich machte mich wiederum auf die Suche. Ich bewarb mich als Sekretärin für ein Vertriebsteam der IBM. Das Bewerbungsprocedere war anspruchsvoll, und so war ich nicht grundlos voll Freude und Stolz als ich den Job bekam.

Eine wirklich bunte Zeit begann. Die Vertriebsleute waren enorm erfolgreich und so gab es ständig Millionenaufträge zu feiern. Dieser Job war eine einzige Party. Ich verdiente viel Geld und konnte damit auch mein Privatleben großzügig gestalten. Etwas zu großzügig. Ich lebte in Saus und Braus und trotz des anständigen Einkommens häufte ich Schulden an. Gedanken an die Zukunft gab es nicht. Jetzt lebte ich. Ja, das Leben fühlte sich für einige Jahre sehr gut an.

Irgendwann aber stellte sich eine eigenartige Unzufriedenheit ein. Der Job begann mich zu langweilen. Die Partys interessierten mich nicht mehr so sehr. Und schon war ich wieder auf der Suche. Inzwischen war ich so eingerichtet, dass ich auf mein Einkommen nicht mehr verzichten konnte.

1987. Mein Weg führte mich in ein berufsbegleitendes Marketingstudium. Marketing-Kommunikation, Werbung, mit all ihren spannenden und bunten Facetten der 80er. Ein Studium über zwei Jahre.  Am Tag arbeiten, IBM Direkt Marketing (Dialog und Event für mittelständische Unternehmen), nach Feierabend bis 21 Uhr Vorlesungen und lernen mit einer illustren Schar Kommilitonen und Dozenten. Im Laufe dieser zwei Jahre wurde mir klar, dass ich für die klassische Werbung mit ihren blendenden Botschaften nicht geschaffen war. Die schrillen Partys, exaltierte Werber, Fun… FeierabendFreiheit… das war lustig für den Moment, nicht meine Welt allerdings,  meine berufliche Aufgabe wollte ich anders verstehen. Public Relations könnte es für mich sein oder Kommunikationsdesign, transparent, aufklärend. Mein Job war einigermaßen passend und machte mir noch ein paar Jahre Freude.

1991. Zwei Jahre nach dem Berufsabschluss, ich war nun Kommunikationswirtin, war ich entschlossen, das Abitur nachzuholen. Noch keinen festen Plan zwar, aber ein Designstudium sah ich durch meine rosarote Brille. Meine Abende waren fortan wieder vorbestimmt, diesmal sogar bis 22 Uhr. Ebenso die Wochenenden. Diese Last konnte ich lindern, denn im Herzen war ich für Spaß und gegen jegliches stupide Arbeiten. Wer mit mir zum Lernen verabredet war, wurde auch in mein Entertainment eingebunden und zu Essen gab es auch immer etwas.

Ein besonderes Programm der IBM bot mir die Gelegenheit das Unternehmen mit einer stattlichen Abfindung zu verlassen. Damit konnte ich meinen Bankkredit tilgen und war ab Januar 1993 frei für was ich wollte.

Neben den Berufsträumen hatte sich seit einiger Zeit ein weiterer Wunsch in mir breit gemacht. Ich wollte ein Kind. Genau genommen wollte ich einen Sohn. Einen kleinen Rabauken, mit dem man allen möglichen Unsinn machen konnte. Ich wusste genau wie ich ihn erziehen würde. Es würde ein toller Junge werden. Nach drei Jahren habe ich das Abendgymnasium mit der Allgemeinen Fachhochschulreife beendet und bekam herzenswunschgemäß meinen Sohn. Ohne Numerus Clausus.

Für alle, die unentschlossen vor der Entscheidung zu einem berufsbegleitenden Studium stehen:
Du glaubst du schaffst die Doppelbelastung nicht? Wenn du durchschnittlich intelligent und belastbar bist, dir finanziell kein Vollzeitstudium leisten kannst oder willst und du dennoch deine jetzige Jobsituation für dich verbessern möchtest, mach es abends. Du erfährst ganz sanft die Grenzen deiner Belastbarkeit. Du triffst auf Leute mit viel mehr Leistungswillen als sie dir normalerweise begegnen. Das gemeinsame Ziel ist wie eine Expedition, alle oder keiner. Wenn einer schlapp macht, sind die anderen da, um ihn mitzuziehen. Na ja ist aber auch schon ein paar Jahre her.